Benin helfen - Aber wie?

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"Bildung ist der beste Impfstoff gegen die Armut!"

Was Unicef- Botschafter Peter Ustinov einst so treffend auf den Punkt zu bringen wusste, wird in der Kleinstadt Dogbo, im westafrikanischen Benin, seit mehr als einem Jahrzehnt in die Tat umgesetzt. Stärken, Bilden und Begleiten: Das ist fast alles, was es an theoretischem Überbau braucht, um erfolgreich und nachhaltig Entwicklungshilfe zu leisten. Davon ist das deutsch/ afrikanische Team rund um die Organisation mit dem bezeichnenden Namen "Pro- Dogbo" überzeugt. "Finanzielle Hilfe allein birgt gewisse Gefahren in sich." König Robert beobachtet das Geschehen in seinem kleinen Reich seit langer Zeit sehr genau. "Was wir in dieser Region vorrangig brauchen, sind gute Schulen und qualifiziertes Lehrpersonal."voodoo-064.jpg
Der Thronsaal "seiner Majestät" Robert ist ein bescheidener Raum in einer Hütte, die zum Teil in Lehm- zum Teil aber auch schon in Steinbauweise errichtet wurde. Regelmässig treffe ich König Robert her, in einem kleinen Weiler, etwa fünf Kilometer von Dogbo entfernt. Und wie so oft in letzter Zeit, unterhalten wir uns über das Thema "Entwicklungshilfe" in Afrika, speziell im Land Benin. Was ist sinnvoll, welche Ansätze und daraus folgende Aktivitäten schaden eher der Bevölkerung? König Robert fährt fort mit seinen Ausführungen, hat klare Standpunkte. " Vieles von dem, was die Jovos, die Weissen, in unserem Land machen, fördert die Abhängigkeit unserer Leute. Aus Hilfsbedürftigen werden handlungsunfähige Menschen, fast so wie Kinder, deren Eltern vergessen, mit ihnen Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu trainieren. Falsch verstandene und nicht durchdachte "Hilfe" führt zur Entmündigung."

Entwicklungshilfe. Organisationen müssen Land gut kennen

Yves Eke, mein langjähriger Freund im Benin wird nervös, als er die Worte des Königs für mich übersetzt. Lange schon hat der junge Student seine Erfahrungen mit der Entwicklungshilfe und im Umgang mit den Jovos, die sie leisten, sammeln können. Ich hake nach, frage nach seiner Meinung. "Mit den Weißen in unserem Land ist es oft so...," berichtet Yves, " ... wir können nicht mehr ohne sie..., aber mit ihnen kommen wir auch nicht weiter."  Und dann wird der junge Mann richtig ärgerlich. "Ich habe Deutsche, und auch andere Europäer kennen gelernt, die glauben alles zu wissen. Sie denken, dass sie auf jede Frage die richtige Antwort haben, ohne auf die kulturellen und mentalen Unterschiede einzugehen, die es zwischen den Jovos und uns nun einmal gibt. Diese Leute glauben, die Afrikaner seien grundsätzlich dumm und bekommen nichts auf die Reihe." Ob also grundsätzlich alles in Frage zu stellen sei, wenn Europäer, aber auch Amerikaner oder Chinesen Unterstützungs- Maßnahmen im Benin starten, möchte ich von Yves wissen. "Die Helfer in den Organisationen müssen sich sehr intensiv mit dem Land auseinander setzen, in dem sie etwas Gutes erreichen wollen. So wie zum Beispiel Klaus van Briel, von Pro Dogbo. Er lebt schon viele Jahre mit uns Beninern zusammen, er kennt unsere Stärken und Schwächen, er weiß, was wir wirklich brauchen."
Ortswechsel:voodoo-494.jpg Mit dem Zemidjan, dem hier üblichen Motorrad Taxi, fahre ich zurück nach Dogbo. Yves hat mich vorher verlassen, er muß nach Cotonou. In der heimlichen Hauptstadt des Benins hat er einen Arbeitsplatz beim Deutschen Entwicklungsdienst. Mehr als zehn Jahre bin ich nun Zeuge des "Überlebensweges" von Yves. Heute ist er einer von vielen hundert jungen Leuten, die von der Idee Pro Dogbos profitieren. Seine Biographie ist wie die der meisten Beniner/innen, die ich kenne, eine eigene Reportage wert. Nur so viel an dieser Stelle: Schon als Kind wurde Yves hin- und her gerissen innerhalb der Komplexität afrikanischer Alltagswirklichkeiten. Früh erlebte er den Tod seines Vaters, übernahm schon als Junge viel Verantwortung für seine Familie, nicht selten jenseits der Leistungsfähigkeit eines Schülers. Mit der Hilfe von Pro Dogbo gelang dem jungen Mann ein Studium, er erlernte unter anderem die deutsche Sprache und befindet sich jetzt auf einem recht stabilen Weg in die Zukunft.

Stärken, Bilden und Begleiten. Pro- Dogbo: Ein starkes Team

Zwanzig Minuten, nachdem wir uns bei König Robert getrennt haben, erreiche ich das Terrain von Pro Dogbo. Es duftet nach frisch gebackenen Baguettes aus der hauseigenen Bäckerei und auch die Geräuschkullisse vom Klopfen, Sägen, Schleifen und Schweißen aus der Metallwerkstatt zeigt an, daß hier engagiert und fleißig gearbeitet wird. "Mouson, eledo? Ca va?" Hausmeister und Wächter Germain begrüßt mich herzlich. Eine Umarmung ist dabei nicht ungewöhnlich, welch ein Kontrast zu den in SDIM1324.jpgDeutschland doch recht "kühlen" Willkommensritualen. Auch der Sprachenmix aus Adja, der in dieser Region gesprochenen Regionalsprache, aus Französisch und manchmal auch Deutsch ist beim Empfang von Jovos durch Pro Dogbo Mitarbeiter/innen herzliche Gepflogenheit geworden. "Me a dogo Meda..., ich möchte Meda treffen." Meda ist Leiter des Ausbildungsbereichs in der Metallwerkstatt von Pro Dogbo. Aber, er ist nicht nur Ausbilder von Schlossern, Schweißern und Klempnern, sonder auch manchmal mein "Berater in besonderen, technischen Fragestellungen und Problemen. Seit einem Jahr entwickele ich, zusammen mit einem afrikanischen Team, ein kleines Reiseunternehmen, sieben Kilometer von Dogbo entfernt. In Bassanhoue, etwa 300 Menschen leben dort, betreiben wir ein Projekt zu Förderung von fairem Tourismus, auf Augenhöhe mit der Bevölkerung. Neben einem kleinen Gästehaus gehören ein Swiming Pool und ein kleines Restaurant zu unserem Angebot. Mit Meda möchte ich die Konstruktion eines Wasserfilters für den Pool besprechen. Eigentlich keine Aufgabe für eine Metallwerkstatt, im Benin sieht man das aber alles nicht so "eng". Flexibilität und Ideenreichtum sind das Geheimnis für den Erfolg einer Organisation oder eines handwerklichen Betriebes. Vier Wochen Geduld soll ich haben, sagt Meda, "...dann haben wir von Pro Dogbo das Problem im Griff." SDIM1506.jpgUnd ich weiß, ich kann Meda vertrauen. Sich neuen Herausforderungen zu stellen, ist eine Spezialität dieser Bildungseinrichtung, die vor etwas mehr als einem Jahrzehnt als "Auffanglager" für Straßenkinder ihre Tätigkeit aufnahm. Bilden, Stärken und Begleiten..., Straßenkinder gibt es immer noch bei Pro Dogbo. Ein kleines Internat, direkt neben der Bäckerei und der Metallwerkstatt von Meda, erinnert an die Anfänge. Als Journalist wollte Klaus van Briel nur eine Reportage über das Thema "Entwicklungshilfe" im Benin schreiben. Einmal im Land, begeisterte er sich für die Menschen, besonders für die Kinder und Jugendlichen der Region, in der er recherchierte. Aus geplanten sechs Wochen Aufenthalt sind mittlerweile deutlich mehr als zehn Jahre geworden. Mit zum Teil eigenen Mitteln, später durch die Unterstützung von der Kolping Familie in der Heimatstadt Kleve, wurde ein einfaches Haus im Stadtteil Dogbo Safi zu einem Ort aufgerüstet, an dem Jungen und Mädchen ihre Hausaufgaben erledigen und später auch essen und schlafen konnten. "Wir haben zusammengelebt, wie eine recht gut funktionierende Großfamilie." Daran erinnert sich Herve noch sehr genau. Herve arbeitet mittlerweile in seiner eigenen Autowerkstatt, hilft nun selbst jungen Menschen "auf die Sprünge" und ist nur noch recht selten bei Pro Dogbo. Wir kennen uns auch schon seit zwölf Jahren, und auch die Geschichte Herves ist eine eigene Reportage wert.

Zurück nach Bassanhoue

Ich muß mich beeilen, in "mein Dorf" Bassanhoue zu kommen. Der Himmel verdunkelt sich, es ist Regenzeit im Süden Benins. Für Gäste unserer Reiseinitiative "Explore Bassanhoue" ist diese Zeit ein besonderes Abenteuer. Wenn es jetzt regnet, dann aber richtig. Innerhalb weniger Minuten sind Straßen und Wege nur schwer passierbar, an einigen Stellen kommt man nur noch zu Fuß weiter. Besser, man verweilt dann im Schutz eines kleinen Dorfes am Wege, bis der "Spuk" wieder vorbei ist. Die Dorfbewohner freuen sich immer über einen solchen Überraschungsbesuch eines oder mehrerer Jovos. Da kann es durchaus sein, daß man sich schnell mal im Erdkundeunterricht einer kleinen Schule wiederfindet. "Gesandte" aus dem fernen Europa sind immer noch selten. Die Chance, viele Fragen zu stellen, wird von Kindern und Lehrern gerne genutzt. Ob das Wasser in Deutschland wirklich manchmal als Eis vom Himmel fällt, wie sich Schnee an fühlt, und wie es sich denn so lebt, wenn es draußen kälter wird, als in einem Kühlschrank?
In den Schulen in und rund um Dogbo hat sich viel getan, in den vergangenen Jahren. Militärischer Drill, stures Auswendig Lernen ganzer Buchseiten, Schläge als Erziehungsmethode, das gehört fast überall zur Vergangenheit. "Es ist uns wichtig, unsere Kinder kompetenzfähig zu machen." Poul Hensoun, ein junger Grundschullehrer hat die "alte Schule" noch am eigenen Leibe erfahren. "Das war nicht gut. Heute verfolgen wir Pädagogen das Ziel, junge Menschen kritikfähig zu machen. Sie sollen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen, und zu formulieren. Mädchen und Jungen müssen die Amtssprache unseres Landes sprechen, schreiben und lesen können. Der Benin braucht demokratie- und politikfähige Bürger, die Hintergründe und Zusammenhänge erkennen."
Es ist trocken geblieben. Für die sieben Kilometer von Dogbo nach Bassanhoue brauche ich etwa 20 Minuten. Ich bin erstaunt, wie schnell die Pflanzen und Blumen in unserer kleinen Ferienanlage schon gewachsen sind. Und ich bin froh darüber, das viele Palmen auf dem Gelände nicht den Baumaßnahmen zum Opfer gefallen sind. Besonders am kleinen Pool spenden sie Schatten. Das erfreut unsere äste aus Deutschland ebenso, wie die Dorfjugend, die auch regelmäßig zum Schwimmen zu uns kommt.

Willkommen im Land Benin: Wo das Leben zu Hause ist

Wer das Land Benin erleben möchte. Wer eine Reise dort hin unternehmen mochte, wo das Leben zu Hause ist. Trotz zahlreicher, materieller Defizite. Wer loslassen möchte von Klischees, die einseitig über "das arme und verlorene Afrika" berichten..., der ist in Dogbo/ Bassanhoue richtig. Nähere Informationen gibt es im Internet unter explore-bassanhoue.de. Nehmen Sie Anteil, und werden Sie Bestandteil der Geschichten dieses Landes. Reisen bildet.

 

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Gegenseitige Besuche: Pro Dogbo ermöglicht gemeinsam mit der Studenteninitiative "Weitblick" interkulturelle Begenungen zwischen den Menschen Benins und Deutschland. Besonders intensive Kontakte gibt es schon seit Jahren von der Stadt Kleve nach Benin.

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